CVET-Geschichte

Die CVET GmbH ist 2012 gegründet worden – die Arbeit, auf der das Unternehmen steht, ist älter. Sie stammt aus öffentlich geförderten Forschungsvorhaben, deren Ergebnisse dokumentiert, veröffentlicht und teilweise frei einsehbar sind. Diese Seite führt sie zusammen, mit Quellen, damit sich das Gesagte nachprüfen lässt.

1989–2000: Verfahrensoptimierung als gemeinsamer Ausgangspunkt

Den Anfang bildet die Zusammenarbeit zwischen Karl-Heinz Dammeyer und Univ.-Prof. Dr.-Ing. Otto Carlowitz, die sich 1989 während Dammeyers Studium kennenlernten. Am Institut für Verfahrensoptimierung und Entsorgungstechnik der Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel entstanden die Kompetenzen, die später den Kern der CVET bilden sollten: Prozessoptimierung, Anlagentechnik, Energietechnik und Emissionsschutz.

Ab dem Jahr 2000 war Olaf Neese der erste wissenschaftliche Mitarbeiter von Prof. Carlowitz am CUTEC-Institut der TU Clausthal (Institut für Umweltwissenschaften, IUW).

Die AG Abgas: Forschung an den Grundlagen der Abluftreinigung

Parallel entwickelte sich am CUTEC-Institut die Arbeitsgruppe AG Abgas – unter anderem mit Prof. Carlowitz, T. Reindorf, O. Neese, S. Meyer und K. Dammeyer. Ihr Arbeitsfeld: Abgasströme, Verbrennungsprozesse, Emissionen, Abgasreinigung und die Optimierung thermischer Verfahren.

Łukasz Piech kam als Student der Politechnika Wrocławska im Rahmen eines Studentenaustauschs an die TU Clausthal und schloss sich der AG Abgas an. Er übernahm die Arbeiten zur FTIR-Spektroskopie (Fourier-Transformations-Infrarotspektroskopie) und damit zur instrumentellen Bestimmung gasförmiger Abgaskomponenten – eine messtechnische Grundlage, die bis heute in jedem CVET-Projekt steckt.

Ein zentrales Thema dieser Jahre war die Bildung von Stickoxiden (NOx) in Anlagen zur regenerativen Nachverbrennung (RNV, international als RTO bezeichnet). Im Forschungsvorhaben „Bildung und Minderung von Stickoxiden aus Brennstoff-Stickstoff-Verbindungen in thermischen Abgasreinigungsanlagen mit regenerativer Abluftvorwärmung“ wurde untersucht, wann Brennstoff-Stickstoff zu Grenzwertüberschreitungen nach TA Luft führt und welche Entstickungsmaßnahmen greifen.

IGF-Vorhaben Nr. 14084 N der Forschungsvereinigung DECHEMA, gefördert im Programm Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF).
Projektbeschreibung bei der DECHEMA · ausführliche Ergebnisdarstellung

2000: Der erste Auftrag aus der Automobilindustrie

Im selben Jahr erarbeiteten Olaf Neese und Prof. Carlowitz für Volkswagen einen Vergleich zweier Trocknerkonzepte: regenerative Nachverbrennung (RNV) gegen thermische Nachverbrennung (TNV).

Dieses Projekt ist der Ausgangspunkt für alles, was danach kam. Es zeigt zugleich das charakteristische Vorgehen des Teams: verfahrenstechnisches Know-how, energetische Bewertung und messtechnische Analyse zusammenführen – und technische Lösungen unter realen industriellen Bedingungen beurteilen, nicht am Reißbrett.

Messtechnik als Fundament: die §26-Messstelle der CUTEC

Das 1990 vom Land Niedersachsen gegründete CUTEC-Institut arbeitete an umweltorientierter Verfahrenstechnik, Emissionsminderung und effizienter Energienutzung. Zur Infrastruktur gehörte eine §26-Messstelle für Emissionsmessungen – eine nach Bundes-Immissionsschutzrecht bekannt gegebene Stelle für die Durchführung von Emissionsmessungen. Karl-Heinz Dammeyer war dort stellvertretender Messstellenleiter.

Bis 2012 entwickelten die späteren Gründer und Mitarbeiter von CVET in diesem Umfeld ihre Kompetenzen in Emissionsmesstechnik, Anlagenmesstechnik, Abgasdiagnostik und der Beurteilung realer Betriebszustände industrieller Anlagen.

Die Promotion: vom Abgas zum Trockner

Noch während seiner Tätigkeit am CUTEC-Institut begann Dr.-Ing. Olaf Neese seine Promotion. Ausgangspunkt waren RNV-Anlagen und die anspruchsvolle Reinigung von Abgasen mit Anteilen siliziumorganischer Verbindungen, bei denen feste Ablagerungen den Anlagenbetrieb und die Reinigungsleistung beeinträchtigen.

Im Verlauf der Arbeit verschob sich der Schwerpunkt: von der Abgasreinigung hin zur Optimierung industrieller Trocknungsanlagen in der Automobilindustrie. Die bei der CUTEC begonnene Dissertation wurde bei der CVET GmbH abgeschlossen.

Neese, O.: Analyse und Erprobung von Konzepten zur Senkung des Primärenergieeinsatzes bei bestehenden Lacktrocknersystemen am Beispiel der Automobilindustrie. Dissertation, TU Clausthal, Papierflieger-Verlag, Clausthal-Zellerfeld 2015.

2005–2012: Sieben Jahre geförderte Entwicklungsarbeit

In diesen Jahren entstand in mehreren, unabhängig voneinander geförderten Vorhaben das technische Fundament von LAVA.

Katalysatoren in der Nachverbrennung

Im DBU-Projekt „Abgasreinigung Automobillackierung“ wurde untersucht, wie sich durch nachträglich eingebaute katalytische Stufen das Wärmegleichgewicht zwischen thermischer Nachverbrennung und Lacktrockner einstellen lässt. Ergebnis: Der Primärenergiebedarf von TNV-Anlagen lässt sich deutlich senken, bei gleichzeitiger Unterschreitung der geforderten Reingaswerte. Der Abschlussbericht nennt für die erste Anlage eine Erdgaseinsparung von 27 % an einer Decklacklinie. Zum Autorenkreis gehören drei der heutigen CVET-Geschäftsführer.

Gefördert unter Aktenzeichen 26471-22 von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt; Kooperationspartner: CUTEC-Institut GmbH, Volkswagen AG, Luft- und Thermotechnik Bayreuth GmbH.
Abschlussbericht als PDF (frei zugänglich)

Brennertechnologie

2008 folgte die „Entwicklung und Erprobung einer Brennertechnologie zum Einsatz in thermischen Nachverbrennungsanlagen mit katalytischer Stufe“, gefördert aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) über die NBank.

Verzeichnet im Verzeichnis der Begünstigten EFRE, Land Niedersachsen

Die Volumenstromregelung

Das entscheidende Vorhaben lief von Januar 2010 bis März 2012: „Systemtechnische Entwicklung zur energiesparenden Lacktrocknung bei Automobilkarosserien durch Regelung des Abluftmengenstromes“, ein ZIM-Kooperationsprojekt der AiF (Förderkennzeichen KF 2207507 MF9, Fördervolumen 175.000 €) gemeinsam mit der CRONE Wärmetechnik GmbH.

Der Ansatz: Weil die TNV wegen der einzuhaltenden Emissionswerte auf hohem Temperaturniveau arbeiten muss, produziert sie mehr Wärme, als der Trockner benötigt. Die Differenz verlässt die Anlage ungenutzt über den Kamin. Senkt man den Abluftvolumenstrom gezielt, sinkt auch der Brennstoffbedarf – ohne die Trocknungsqualität zu gefährden.

Die Projektunterlagen weisen für Decklackanlagen Einsparpotenziale von bis zu 40 % aus; in der Bilanzierung einer konkreten Linie ergaben sich je nach Absenkung des Volumenstroms rechnerisch 24 % bzw. 45,5 % Brennstoffersparnis.

Der Praxistest: Volkswagen Emden

Die Entwicklung blieb nicht im Technikum. Im September 2010 wurde bei Volkswagen am Standort Emden im laufenden Betrieb begonnen.

Die Versuche mussten teilweise am Wochenende oder in der Nachtschicht gefahren werden, weil sie nicht sofort in der laufenden Produktion möglich waren. Ende Juni 2012 lagen die Ergebnisse für die Decklacklinie 1 vor:

KennzahlErgebnis
Erdgasmindestens 26 % weniger
Strom10 % weniger
CO2394 Tonnen weniger pro Jahr
Energiekostenrund 70.000 € Einsparung pro Jahr (eine Linie)

Quelle: Think Blue. Factory. im Lack – Energieeinsparungen in der Lackiererei umgesetzt. In: teamtime – Das Mitarbeitermagazin für Volkswagen Emden, Ausgabe 6, Dezember 2012, S. 7.

Auch der Messtechnik-Hersteller halstrup-walcher berichtete 2014 über die Umsetzung in Emden, die gemeinsam mit CRONE Wärmetechnik und CVET erfolgte. Damit der Volumenstrom der Einbrennöfen der Auslastung folgen kann, muss er bei rund 300 °C zuverlässig gemessen werden. Dafür kommen eine Staudrucksonde und ein Differenzdruck-Messumformer zum Einsatz, der seinen Nullpunkt selbsttätig korrigiert und so ohne Nachjustieren stabile Messwerte liefert. Nach über zwölf Monaten Betrieb bezifferte die Meldung die Einsparungen auf 25 % – ohne Einbußen bei der Lackqualität.

Quelle: Lastabhängiger Volumenstrom in der Lackiertrocknung – Kostenvorteil für Automobilbauer; Pressemitteilung der halstrup-walcher GmbH, 29.04.2014

Ein weiteres Projekt zur lastabhängigen Volumenstromregelung wurde später bei Volkswagen Nutzfahrzeuge in Hannover umgesetzt. Nach der messtechnischen Bestätigung der prognostizierten Einsparungen im Pilotversuch entschied das Werk, die Regelungstechnik an allen neuen Trocknern einzusetzen und bestehende Anlagen nachzurüsten.

Quelle: Neues Lack-Trocknungsverfahren bei VW; Bericht auf auto-medienportal.net, 17.06.2015

2012: Gründung der CVET GmbH

Im selben Jahr, in dem die Ergebnisse aus Emden vorlagen, gründeten die Beteiligten die CVET GmbH – Clausthaler Verfahrens- und Energietechnik GmbH. Es war der konsequente Schritt von institutsgebundener Forschung zu einem unabhängigen Ingenieur- und Technologieunternehmen: dieselben Methoden, aber mit der Möglichkeit, Lösungen bis zur Umsetzung und zum laufenden Betrieb zu begleiten.

Von der Forschung zum Produkt: LAVA

Aus den Forschungsergebnissen wurde ein Verfahren mit Namen: LAVA – lastabhängige Volumenstromanpassung.

Bei CVET übernahm Łukasz Piech Software und SPS-Steuerung. Damit schloss sich der Kreis: Messtechnik, Anlagenuntersuchung und Forschung aus der AG-Abgas-Zeit trafen auf Automatisierungs- und Softwarekompetenz. Genau diese Verbindung macht LAVA aus – es ist kein Bauteil, das man einbaut, sondern eine Regelstrategie, die auf der realen Anlage vermessen, ausgelegt und programmiert wird.

2014 wurde LAVA mit dem Volksbank Innovationspreis ausgezeichnet.

Heute ist LAVA an 65 Trocknern im Einsatz. Die erste Anlage läuft seit 2011 – die Größenordnung der bisher erreichten Einsparungen liegt bei rund 300.000 Tonnen CO2 kumuliert (Stand Oktober 2026). Diese Zahl ist konservativ gerechnet: Für einzelne Anlagen liegen bestätigte Gaseinsparungen vor, die in der CO2-Bilanz noch nicht erfasst sind.

Wie LAVA funktioniert →

Kontinuität, nicht Nostalgie

Was 1989 mit Verfahrensoptimierung begann und über die Abgasforschung der AG Abgas zur Trocknerregelung führte, hat sich seither um industrielle Datenanalyse, Algorithmen und Methoden der künstlichen Intelligenz erweitert.

Der Kern ist derselbe geblieben: An einer Industrieanlage lässt sich nur das verbessern, was man vorher verstanden hat – und verstehen heißt messen.

Dass die Arbeiten aus dieser Zeit weiterhin fachlich zitiert werden, zeigt unter anderem der Beitrag „Vom Immissionsschutz zur Optimierung von Trocknern für die Lackierung von Serienkarosserien“ (Springer Vieweg, 2026), der sich auf mehrere dieser Veröffentlichungen stützt.

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